Angriff und Verteidigung
Auch wenn das Leben der Ritter nicht hauptsächlich dem Krieg, sondern der Existenzsicherung der eigenen Familie unterworfen war, kam es immer wieder zu Fehden und kämpferischen Auseinandersetzungen um Grundbesitz, politischen Einfluss oder Zwistigkeiten innerhalb der Familien. So kam es häufig zu Angriffen auf Ritterburgen. Zwar waren sie gut geschützte Anlagen und flößten schon bei ihrem Anblick dem Angreifer Furcht ein, doch hieß das bei weitem nicht, dass sie uneinnehmbar gewesen wären.
Sollte eine Burg eingenommen werden, so musste sich der Angreifer zunächst für eine Strategie entscheiden, die oftmals den örtlichen Gegebenheiten Rechnung trug. Der Angreifer konnte sich für einen Überraschungsangriff entscheiden, der darauf setze, Ritter sowie Burg schwach bewaffnet und weitestgehend ungeschützt vorzufinden. Gelang er nicht, mündete er oft in einer Belagerung der Ritterburg. Eine Belagerung konnte aber auch dem Angriff auf die Burg vorausgehen und darauf hoffen, die Bewohner der Ritterburg moralisch zu zermürben und "auszuhungern".

Es wurden offene Schlachten ausgetragen oder ein Hinterhalt gelegt, um sich einer Ritterburg zu bemächtigen. Allerdings war es nicht so leicht, auf das Areal der Burg zu gelangen. Um die Mauern zu schwächen oder ins Wanken zu bringen, untergrub man sie, stütze die so entstandenen Stollen mit Holz ab, das schließlich angezündet wurde.
Steinschleudern, Lanzenschleudern, Katapulte, Belagerungstürme und Rammböcke waren die technischen Hilfsmittel, denen man sich bediente, um eine Ritterburg zu erstürmen. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts kamen auch Kanonen zum Einsatz, die als Geschosse Steine schleuderten, die allerdings die Burgmauern nicht nachhaltig schädigen oder zum Einsturz bringen konnten.